Terminal mit Menschen
 
 

Hauptversammlungen der Allianz 2004 bis  2006

 
   
 

1. Einleitung:
   von Paul Leistenschneider

Viele Aktionäre der Allianz haben mich nach den Hauptversammlungen in München mündlich und schriftlich um meine Beiträge zur Generaldebatte gebeten.
Um meinen Zeit- und Finanzaufwand möglichst klein zu halten, sind meine Ausführungen ab sofort im Internet nachzulesen.

Hauptversammlung der Allianz AG am 5. Mai 2004 in München
Beitrag zur General-Debatte


Sehr geehrter Herr Diekmann und Kollegen,
sehr geehrter Herr Dr. Schulte-Noelle und  Kollegen vom Aufsichtsrat,
sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

 

I.

Es hat sich erwiesen, dass die Stabübergabe ,die wir hier  am 29.April letzten Jahres beschlossen haben, eine weise Entscheidung war.

Herr Michael Diekmann hat es geschafft, das Unternehmen innerhalb eines Jahres aus der tiefsten Krise seiner Geschichte –ich spreche vom Geschäftsjahr 2002 – wieder in die Gewinnzone zu führen.

Der Jahresüberschuss beträgt vor verschiedenen Verlustübernahmen in Höhe von rd. 800 Mio. Euro stolze 2,4 Mrd .Euro. Im Vorjahr ergaben sich in dieser Position ein Verlust von rd. 2,0 Mrd. Euro.

Die Eigenmittel sind von 22,0 Mrd. Euro um rd. 7,0 Mrd. auf
rd. 29 Mrd. Euro gestiegen.

Die Eigenkapitalquote verbesserte sich im Berichtsjahr von minus 4,6 % auf plus 6,4%.

Hierfür gehört Herrn Michael Diekmann größter Dank und aufrichtige Anerkennung.

Er gehört in das Buch: „Könner in Nadelstreifen“.

 

II.

 

Unbefriedigend bleibt nach wie vor die Beteiligung an der Dresdner Bank; die „Süddeutsche Zeitung“ spricht in ihrer Ausgabe vom 30.April 2004 vom schleichenden Niedergang des  Instituts.

Nach 2,9 Mrd. Euro Verlust in 2002 konnte die Bank auch im Berichtsjahr ihre Kosten nicht erwirtschaften; in der Bilanz wird vor Steuerrückvergütungen aus dem Verlustnachtrag von rd. 900 Mio. Euro ein Fehlbetrag von rd. 2,9 Mrd.  Euro  ausgewiesen.

Die Eigenmittel der Bank sind in den beiden letzten Jahren auf 7,7  Mrd. Euro abgeschmolzen.

Bei gleichbleibender „Performance“ sind die eigenen Mittel der Dresdner Bank in zwei bis drei Jahren aufgebraucht – d.h. dass die Aktionäre der Allianz künftig die Mrd.-Verluste der Bank übernehmen müssten, oder der Konzern müsste mit Verlusten zerschlagen werden, da eine Übernahme durch einen Dritten nicht mehr in Frage käme.

Wer kauft schon ein  Unternehmen, das seine Kosten nicht erwirtschaften kann?

Die Fairness gebietet es zu erwähnen, dass außer der Deutschen Bank auch die beiden anderen Großbanken – die Hypo, sowie die Co-Bank mit 2,6 und 2,3 Mrd. Euro Verlust in 2003 abgeschlossen haben – doch das ist ein schwacher Trost.

Die Ertragskrise der deutschen Banken ist strukturbedingt; das flächendeckende Kreditgeschäft mit überzähligen Filialen rechnet sich nicht mehr und die Erträge aus dem Investmentgeschäft reichen nicht aus, um das Defizit aus dem klassischen Bankgeschäft auszugleichen.

Außerdem gilt anzumerken, dass das Investmentgeschäft eine Begleiterscheinung der New Economy war, als jedes kleine Unternehmen mit Hilfe der Banken an die „Fleischtöpfe“ der Börse wollte.

Diese „Hochzeit“ des Investmentbanking ist vorüber; die Dresdner Bank weist nach 600 Mio. Euro Verlust für 2002 im Berichtsjahr gerade einmal magere 306 Mio. Euro Profit aus – das reicht nicht aus, um die Mrd. Defizite aus dem Kreditgeschäft zu kompensieren.

 

III.

 

Belastend ist nach wie vor bei der Dresdner das Verhältnis zur Legalität und zu einem  seriösen Geschäftsstil. Seit 1997 mussten 8 Vorstandsmitglieder und der Chef des

Aufsichtsrates ihren Hut nehmen – die meisten wegen des Steuerstrafrechts, die anderen wegen sonstiger Ungeschicklichkeiten.

Das hat es noch in keiner Vorstandsetage der Deutschland AG gegeben.

Aber der ideelle Verlust geht immer dem materiellen Verlust voraus; nur so versteht sich der Niedergang der Bank.

Vor Monatsfrist gab es im Zusammenhang mit der Welteke-Affaire wiederum den Verdacht einer strafbaren Handlung durch den Vorstandschef der Bank; zur Zeit ist der Staatanwalt wieder täglicher Gast bei der Dresdner.

In Kürze wird der „Spiegel“ oder ein anderes Organ der deutschen Presse eine neue 

Skandalgeschichte der Dresdner aus Luxemburg bringen, die von mir ausgelöst wurde:

  • Da steht der später vorbestrafte Geschäftsführer in dringendem Tatverdacht, Wertpapiere eines Kunden zu Schleuderpreisen in den eigenen Bestand – vielleicht    auch in seinen persönlichen – genommen zu haben und dies dem Kunden als Zwangs= verkauf erklären zu wollen, ohne dafür den Beweis antreten zu können; mit Hilfe der Luxemburger Richter gewinnt die Dresdner eine titulierte Forderung, ch wiederhole – eine Forderung ohne Beweisaufnahme – nach Luxemburger Recht möglich;
  •  da unterschreibt die Tochter eines Vorstandsmitgliedes aus Frankfurt  eine Vergleichsvereinbarung ohne laut Handelsregister dazu autorisiert zu sein,
  • da verbucht der Prokurist die Forderung aus dem Vergleich, der später wegen arglistiger Täuschung angefochten wurde, als Teilzahlung auf die durch Vergleich untergegangene Altforderung,
  • da verzinst ein anderer Prokurist die verglichene Altforderung munter weiter.

Mittlerweile ermitteln die Staatsanwälte in Trier und Düsseldorf, die Spuren der Straftat könnten in die Zentrale in Frankfurt führen.

Eine weitere Strafanzeige gegen die jetzigen Geschäftsführer in Luxemburg liegt in der Schublade des Anwalts.

Die Vorgänge in Luxemburg - man könnte es auch als „Wild-West“ im Großherzogtum bezeichnen – passen nicht zu dem Image eines seriösen Bankinstituts.

Den Leitenden der Dresdner möchte ich zurufen:

Finden Sie zurück in die Legalität und zu einem vertrauenswürdigen Geschäftsstil, damit nicht das „grüne Band der Sympathie“ in ein paar Jahren zur Schlinge für Herrn Walter wird, dessen ehrliche Bemühungen nicht in Frage gestellt werden sollen.

Heinrich von Pierer, Chef des Siemens-Konzerns, hat in seinem Buch „Zwischen Profit und Moral“ eindrucksvoll nachgewiesen, dass er seinen Konzern -  nach moralischen Grundsätzen ausgerichtet – sehr erfolgreich führt.

Zuerst kommt das Ansehen oder der ideelle Gewinn – dem zwangsläufig der materielle Gewinn folgt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Dr. H. Walter in seiner Erwiderung:

Wir haben Herrn P. Leistenschneider verklagt und haben eine titulierte Forderung nach Luxemburger Recht; Anmerkung des Verfassers: die Forderung betrug ursprünglich, d.h. am 3. Juli 1998 TDM 286.

Meine Antwort:

Sie wissen sehr genau, Herr Dr. Walter, dass Sie Ihre Forderung nicht beweisen können; schließlich habe ich Ihnen und der Luxemburger Geschäftsleitung mehrmals TDM 286 plus Zinsen angeboten, wenn Sie die Verkaufsbelege vorlegen – aber das können Sie nicht. Ihre Kollegen vom Vorstand der Allianz sparen an allen Ecken und Kanten und Sie, Herr Walter, verschleudern mehr als 300 TDM, weil Sie die Belege über den angeblichen Verkauf  nicht vorlegen können.

Dass Sie in Luxemburg eine Forderung ohne Beweisnachweis haben, spricht doch nicht dafür, dass Ihre Forderung korrekt ist, sondern dafür, dass die Richter nicht nach Recht und Gesetz gehandelt haben.

Sie brauchen also, sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, nicht auf den Balkan zu gehen, wenn Sie ohne Beweisaufnahme eine titulierte Forderung brauchen; das geht –wenn Sie Kapital im Rücken haben – auch in Luxemburg.

Das Urteil ist in Deutschland wertlos, da die Vollstreckungsklausel nach deutschem Recht nicht bestätigt werden kann bei Urteilen des Auslands, die ohne Beweisaufnahme und Anhörung der Parteien zustande gekommen sind.

Herr Dr. Walter schwieg betreten.

Hauptversammlung der Allianz AG am 4. Mai 2005 in München
Beitrag zur Generaldebatte


Sehr geehrter Herr Diekmann und Kollegen vom Vorstand,
sehr geehrter Herr Dr. Schulte-Noelle und Kollegen vom Aufsichtsrat,
sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

mein Vortrag über 15 einhalb Minuten gliedert sich in 3 Teile:

        Punkt 1: Der Jahresabschluss der Allianz,

        Punkt 2:das Konzept der Allfinanz,

        Punkt 3: „Sorgenkind“ Dresdner Bank.


Zum Jahresabschluss der Allianz
In 2004 hat sich bewahrheitet, was bereits letztes Jahr in dieser Halle prognostiziert wurde: Die Allianz hat das Tal der „Tränen“ verlassen, hat wieder Tritt gefasst auf dem traditionellen Erfolgspfad nach dem Fusionsschock von 2002.


Die Zahlen in Euro

        Gestiegen ist der Gesamtumsatz von 93,8 auf 96,9 Mrd.,

        gestiegen ist der Jahresüberschuss von 1,9 auf 2,2 Mrd.,

        gestiegen ist das Eigenkapital von 28,6 auf 30,8 Mrd.,

        gestiegen ist die Dividende je Aktie von 1,50 auf 1,75 Euro.

Hierfür gehört Herrn Diekmann, seinen Vorstandskollegen und allen anderen Mitarbeitern aufrichtiger Dank.
Der Konzern ist wieder vergleichbar mit der Deutschen Bank, dem anderen Riesen der  Finanzbranche in der Bundesrepublik Deutschland.

Was noch hinterher hinkt, sind die Gehälter des Vorstands – sehr wahrscheinlich auch die ihrer Mitarbeiter.

Gemessen an der vorzüglichen Leistung im Berichtsjahr müssten Vorstandsgehälter gezahlt werden à la Ackermann; das hieße 10 Mio. Euro für den Vormann Diekmann, etwas weniger für die übrigen Kollegen, aber auch die anderen Mitarbeiter sollten für die
Leistungssteigerung honoriert werden.

Denn ein Chef kann nicht besser sein als seine Mitarbeiter.

Dies wäre m.E. leistungsgerecht – oder sind Sie anderer Meinung, sehr geehrter Herr Dr. Perlet.


Zu den Ursachen des Erfolges

In dem Aktionärsbrief des Herrn Diekmann kommt immer wieder das Wort  „Vertrauen“ vor; um das sich  die Allianz im Berichtsjahr erfolgreich bemüht hat; ob dies auf die Dresdner Bank durchgeschlagen hat – dazu später ein paar Worte.

Schon letztes Jahr war hier die Rede vom ideellen Gewinn, der den materiellen Erfolg automatisch nach sich zieht.
 
Als Schönheitsfehler bleibt der Börsenkurs von nicht einmal 100 Euro, der nicht zur Bergfahrt auf 350 bis 400 – wie gehabt – ansetzen will.

Weshalb steigen die Kurse nicht – werden Sie fragen

Der Fusionsschock mit der Dresdner Bank sitzt noch tief bei den Investoren und wirkt wie Bleigewichte an dem Börsenkurs.

Schließlich hat die Bank in den Vorjahren Mrd.-Verluste geschrieben und ist erst wieder seit letztem Jahr auf leichtem Erfolgskurs.


Zum Konzept der Allfinanz

Es lässt sich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass das Konzept der Allfinanz nicht nur hier – sondern auch anderswo gescheitert ist. Darüber ist schon viel gesprochen worden, und der Vorstand musste deshalb schon viel Kritik einstecken.
Damit sollte endlich Schluss sein, denn es hilft nicht weiter; es wäre an der Zeit, dass sich die Reihen wieder schließen wie in besten Tagen, den Blick nach vorne richten im Vertrauen auf Michael Diekmann und seine Mannschaft.


Nur eine kleine Anmerkung sei noch erlaubt

Das Konzept der Allfinanz wurde verworfen , als sich die Deutsche Bank mit der Allianz zusammentun wollte – wahrscheinlich, weil sie in dieser Verbindung Junior-Partner geworden wäre.
Ein paar Jahre später, als die Senior-Partnerschaft mit der Dresdner Bank winkte, war plötzlich das Konzept der Allfinanz akzeptabel.

Ein Beispiel dafür, welch gehorsames Kind der Verstand ist, wenn das Machtgefühl Triumphe erahnt.
Dies jedenfalls ist meine Einschätzung.


Warum funktioniert das Konzept der Allfinanz nicht?
Bank- und Versicherungsgeschäft sind ziemlich unterschiedlich – in sachlicher und persönlicher Hinsicht.

In sachlicher Hinsicht: Das klassische Bankgeschäft ist das Kredit- und Geldgeschäft, das klassische Versicherungsgeschäft ist der Abschluss von Versicherungen der unterschiedlichsten Art: Dass sind zwei verschiedene Geschäftsfelder – gemeinsam ist beiden Unternehmen nur die Verwaltung von Vermögen – aber dazu bedarf es keiner 100%igen Beteiligung.

In persönlicher Hinsicht: Der Beruf prägt den Menschen: nach Lehre und Praxis von mindestens 5 Jahren ist es Aufgabe des Versicherers, Abschlüsse zu tätigen, er ist Bittsteller, und das macht bescheiden, er bleibt am Boden.
Der Banker dagegen hat über Kredit- und Geldgeschäft Macht über seine Kunden, aber Macht unterliegt – der allgemeinen Lebenserfahrung zufolge – der Gefahr des Missbrauchs,

Macht ohne Verantwortungsgefühl macht den Banker hochmütig, eine Eigenschaft, die man nicht ohne Grund den Bankern nachsagt.
Dem Banker beliebt es abzuheben – aber Hochmut kommt vor dem Fall.

Nur so sind die 30 Mrd. Euro notleidende Kredite der Dresdner zu verstehen, als sie sich 2001 in die rettenden Arme und um den Hals der integren Allianz warf.


Zur unterschiedlichen Aufgabenstellung oder dem sogenannten Cross-selling:

Banker, die sich gerne die Offiziere oder zumindest Unteroffiziere der Wirtschaft nennen, wollen für die Allianz keine Klinken putzen.

Der Versicherungsvertreter möchte die mühsam erwirtschafteten Provisionen nicht auf dem Glatteis des Geldgeschäfts verspielen.


Zum Sorgenkind Dresdner Bank

Die Sanierung der Bank machte in 2004 Fortschritte, zwar nicht im Gleichschritt mit der Allianz, aber immerhin tragen die Bemühungen des Herrn Dr. Walter erste nennenswerte Früchte.

Die Zahlen in Euro:

ermäßigt haben sich

der Jahresfehlbetrag  von 2,045 Mrd. auf 794 Mio.; zu diesem Fehlbetrag gesellt sich in der Gewinn- und Verlustrechnung ein Betrag von 706 Mio. unter dem Titel „Verminderung durch Abspaltung“ insgesamt also ein Fehlbetrag von 1,5 Mrd..
Was unter dieser Position zu verstehen ist, wird Dr. Walter uns sicher erklären können.

ermäßigt haben sich
die Eigenmitte in  drei Jahren von 13,966 Mrd. auf 6,239 Mrd.; d.h. .mehr als Hälfte der Eigenmittel sind verbraucht.
Wenn das so weitergeht, wäre in ein paar Jahren ohne Hilfe der Allianz der Gang zum Insolvenzverwalter unvermeidlich. Dies erhofft niemand, und wir sollten der glücklichen Hand des Herrn Dr. Walter vertrauen.

ermäßigt haben sich
die Wertberichtigungen auf die Kundenforderungen von 2 % im Vorjahr auf 0,26 % im Berichtsjahr.
Zu einem Forderungsbestand von 192 Mrd. werden nur 494 Mio. als Risikovorsorge ausgewiesen.

Da ich selbst aus dem Geschäft komme, ist mir bekannt, dass die Bildung von Wertberichtigungen im Hinblick auf die Ertragslage legal recht flexibel gebildet werden kann.
Da es sich bei der Sanierung der Dresdner Bank m.E. um ein Politikum handelt, wird das „Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen“ wohl keine Sonderprüfung – wie bei kleineren Instituten üblich –vornehmen.


Zu den Ursachen der schleppenden Sanierung

Das öffentliche Vertrauen, das die Allianz wieder für sich seit der Krise verbuchen konnte, will sich bei der Dresdner nicht oder noch nicht einstellen.
Zu tief sitzt bei Kunden und Investoren das Trauma jener – das Wort lässt sich nicht vermeiden – krimineller Energie, die Ende der 90-erJahre aus den Vorstandsetagen der Frankfurter Türme quoll und den höchsten Repräsentanten des Hauses Amt und Würden kosteten.

Parallel zur Allianz - nur mit umgekehrtem Vorzeichen- lässt sich auch hier feststellen, das der ideelle Ruf eines Unternehmens über Aufstieg oder Niedergang entscheidet.

Anstatt des unschönen Wortes von krimineller Energie bevorzuge ich auch aus Höflichkeit gegenüber Herrn Dr. Walter, der dafür nicht verantwortlich ist, das Wort von der negativen Energie, eine Energie, die nicht abebben will.

Der moralische turn-around will sich nicht einstellen; die Allfinanz als Bindeglied der beiden Unternehmen ist eine zu schmale Brücke, als dass die positive Energie der Allianz aus München die Frankfurter Türme erreichen könnte.

Umgekehrt erreicht die negative Energie, die von der Dresdner Bank immer noch ausgeht, mittlerweile die Allianz-Leben in Stuttgart.
Kürzliche Pressemitteilung der Oberfinanzdirektion Düsseldorf: Wir ermitteln bei beiden Unternehmen wegen Verdachts gemeinschaftlicher Geldwäsche und Beihilfe zur
Steuerhinterziehung; betroffen rd. 25.000 Kunden.

Auf meine persönlichen Erfahrungen mit der Dresdner Bank in Luxemburg möchte ich nicht eingehen; sie bestätigen aber, dass die Bank den moralischen „ turn-around“ noch nicht geschafft hat und offenbar die Chancen dazu nicht erkannt hat.

Siege à la Dresdner Bank in Luxemburg stehen auf tönernen Füßen und sind nicht dazu angetan, das dringend erforderliche öffentliche Vertrauen zu fördern.

Das Thema eignet sich wegen des kriminellen Charakters zur publizistischen und literarischen Verarbeitung.

Ich danke Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit.



Außerordentliche Hauptversammlung der Allianz AG am 8. Februar in Düsseldorf vor rd. 3.600 Aktionären

Sehr geehrter Herr Dr. Schulte-Noelle und Kollegen vom Aufsichtsrat,
sehr geehrter Herr Diekmann und Kollegen vom Vorstand,
sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

In meinem Beitrag zur Generaldebatte konzentriere ich mich in rd. 7 Minuten auf das aktuelle Thema der Verschmelzung; weiterführende Ausführungen zum Jahresabschluss der AG, der noch nicht ausgegorenene Personalpolitik sowie kritische Worte zu meinem Lieblingsthema Dresdner Bank sind deshalb – wie Herr Dr. Schulte-Noelle bereits anmerken musste – hier und heute nicht angebracht.

In den bisherigen Beiträgen wurde auffallend viel und todernst vom Börsenkurs der Allinanzaktie gesprochen, der zu wünschen übrig ließe; manche Leute lassen sich davon regelrecht verrückt machen.

Dazu fällt mir nur das geflügelte Wort des britischen Staatsmannes William Gladstone ein, der schon vor mehr als 100 Jahren seine diesbezüglichen Erfahrungen in die humorvollen Worte fasste:
„Es gibt zwei Dinge im Leben eines Mannes, die ihn um den Verstand bringen können:
  1. die Frauen,
  2. die Börse.
Jetzt lachen Sie einmal, lockern wir die Atmosphäre auf und ich komme zur Sache.

Die Verschmelzung
Imponierend der Mut, die Tatkraft und der Sachverstand des Herrn Diekmann und seiner Vorstandskollegen zur Europa AG, einer Rechtskonstruktion, die erst ab Ende 2004 in Deutschland möglich ist.

Die Allianz begibt sich mit der grenzüberschreitenden Bilanzierung auf Neuland in der europäischen Unternehmensgeschichte; dies ist Pionierarbeit „at its best“ und könnte zum Vorbild weiterer internationaler Verschmelzungen werden.

In diesem Zusammenhang lässt sich das wenig attraktive Wort von der Globalisierung nicht vermeiden – wenig attraktiv, weil es gleichgesetzt wird mit Amerikanisierung und dem atlantischen Kapitalismus in ungeläuterter Form.

Die Mehrheit in unserem Lande – und ich möchte sagen „all over europe“ fürchten die soziale Kaltluft, die vom Atlantik her über unseren Kontinent hineinweht.

Wäre es da nicht angebracht angesichts, der Verschmelzung der Europäisierung der Unternehmenskultur das zu reden, denn schließlich ist das Wort Europa für die Mehrheit unserer Bürger konsensfähig.

Dadurch liesse sich eine Menge Opposition ersparen, die auf die Allianz zukommen wird:

  1. Mitarbeiter, organisiert oder nicht, die um ihren Arbeitsplatz fürchten,

  2. die Öffentlichkeit, die den Untergang des Sozialstaates fürchten,

  3. die Politik, die den vieltausendfachen Stellenabbau trotz Mrd. Gewinne publikumswirksam beklagen wird und eine neue Flut von Ansprüchen auf die ohnehin Not leidende Sozialkassen fürchten.

Eine europäische Unternehmenskultur unter dem Leitwort „Rettet den Sozialstaat“ entspräche auch der politisch angestrebten Einheit; um die sich unsere Politiker in ganz Europa bemühen und die unserem Kontinent ein größeres Mitspracherecht in der Weltpolitik sichern sollen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
für Ihre Aufmerksamkeit bedanke ich mich.





Hauptversammlung der Allianz AG am 3.Mai 2006 in München
Beitrag zur Generaldebatte vor 5300 Zuschauern

Paul Leistenschneider
„Ich bin Aktionär der Allianz und Geschädigter der Dresdner Bank Luxemburg“

Sehr geehrter Herr Dr. Schulte-Noelle und Kollegen vom Aufsichtsrat,
sehr geehrter Herr Diekmann und Kollegen vom Vorstand,
sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre,

mein Vortrag von maximal 15 Minuten gliedert sich in

1.    Jahresabschluss der Allianz und die Verschmelzung,
2.    wie kann die Dresdner Bank saniert werden:
a.)    das Konzept des Herrn Dr. Perlet,
b.)    das Konzept des Herrn Dr. Walter,
c.)    gibt es einen dritten Weg?


Zu Punkt1.)
Auch im Berichtsjahr hat die Allianz unter Führung von Michael Diekmann ihren nunmehr dreijährigen Siegeszug beeindruckend fortsetzen können.

Die Zahlen in Euro
Gestiegen ist der Gesamtumsatz von 96,9 auf 100,9 Mrd.,

gestiegen ist der Jahresüberschuss von 2,2 auf 4,4 Mrd., das ist eine beachtliche Steigerung von rd.93 %,

gestiegen sind die Eigenmittel von 26,7 auf 29,7 Mrd.,

gestiegen ist die Dividende von 1,75 auf 2,00 Euro.

Das ist rundum eine erstaunliche Leistung, für die Herrn Diekmann, seinen Vorstands-
Kollegen und den anderen Mitarbeitern aufrichtiger Dank gebührt, denn die Chefs können nicht besser sein als ihre Mitarbeiter.

Erfreulich ist auch die Disziplin in der Vergütung: Insgesamt erhielten die 10 Vorstände rd. 29 Mio. Euro d.s. 2,9 Mio. pro Kopf.
Die Deutsche Bank als der andere große Finanzdienstleister zahlte – bei weniger guter Ertragslage – 7,1 Mio. pro Kopf an seine vier Vorstände.
In anderen Worten: Für fast 30 Mio. kann sich die Allianz 10 hochkarätige Manager leisten, die Deutsche Bank aber nur vier.

Neben dem hervorragenden Abschluss gab es im Berichtsjahr ein 2. Highlight: Die Verschmelzung mit der Italien-Tochter RAS zur 1. Europa S.A.: Mit der
grenzüberschreitenden Bilanzierung hat die Allianz in der europäischen Unternehmensgeschichte Maßstäbe gesetzt, die zur Pilotfunktion für weitere internationale Verschmelzungen werden dürfte.

Initiator und Motor dieser neuen Entwicklung ist Michael Diekmann. Man könnte versucht sein, ihn unter die Lieblinge der Götter einzureihen.
Ich zitiere hierzu Goethe: Alles geben die Götter – die Unendlichen ihren Lieblingen: Die Freuden, die Unendlichen und die Leiden, die Unendlichen –ganz.

Der letzte Satz wird immer verständlicher.


Zu Punkt 2.) Die Sanierung der Dresdner Bank – die Situation nach dem Jahresabschluss

Die Zahlen der Dresdner in Euro
Ausgewiesen wird erstmals ein Jahresüberschuss von 1,7 Mrd.; hiervon wurden rd. 900 Mio. den Rücklagen zugeführt, die restlichen rd. 800 Mio. an die Allianz abgeführt.
Ursächlich für den Überschuss von 1,7 Mrd. war die Realisierung stiller Reserven in  Höhe von
    1,452 Mrd. bei Beteiligungen und
       113 Mio. bei Wertberichtigungen auf Kundenforderungen.

Ohne Veräußerung des „Tafelsilbers“ ermäßigt sich dadurch der Jahresüberschuss auf 145 Mio.


Und nun zum operativen Ergebnis
Die operativen Erträge, das sind Zins- und Provisionsüberschüsse sowie das Handelsergebnis haben sich gegenüber dem Vorjahr um rd. 400 Mio. ermäßigt, der Verwaltungsaufwand ist durch Einsparungen um rd. 100 Mio. zurückgegangen, so dass das operative Ergebnis vor Risikovorsorge mit 632 Mio. gegenüber 931 Mio. im Vorjahr ausgewiesen wird.


Kommen wir zur Risikovorsorge
Das Kreditvolumen beträgt 98,5 Mrd., der Bestand an „Problemkrediten und potentiellen Problemkrediten“ wird mit rd. 2,9 Mrd. ausgewiesen, die Risikovorsorge beläuft sich aber nur auf 1,7 Mrd. Euro.
Das ergibt eine Deckungslücke von 1,2 Mrd., die der Kaufmann nach §§ 252 ff. HGB
abzudecken verpflichtet ist. Das operative Ergebnis nach Risikovorsorge verwandelt sich dadurch in einen Jahresfehlbetrag von 643 Mio.
Die Sanierung der Bank ist also noch lange nicht in „trockenen Tüchern“ – wie es neudeutsch zu heißen heißt.

Die von mir anskizzierten Schwachstellen im Abschluss der Dresdner mögen auch die Gründe sein, weshalb sich die Investoren beim Kauf der Allianz-Aktie zurückhalten; bei der blendenden Ertragslage und der Neustrukturierung des Konzerns, die erfolgversprechend angelaufen ist, müssten Kurse um die 130 Euro ohne die Beteiligung an der Dresdner Bank längst Makulatur sein.

Zu den Sanierungskonzepten
a.)    Dr. Perlet
b.)    Dr. Walter
c.)    3. Weg

zu a.)
Herr Dr. H. Perlet, zuständig für Beteiligungen im Allianz-Vorstand, mahnt seit Jahr und Tag rigide Kosteneinsparungen im Sach- und Personalbereich an.
Aber bei näherem Hinschauen wird fraglich, ob die Bank auf diesem Weg auf die Erfolgsspur kommt.
Die Dresdner zahlt ihren 24 Tausend Mitarbeitern jährlich rd. 2 Mrd., das sind 85 Tausend Euro pro Person und Jahr oder
85  Mio. für 1.000 Leute.

Bei einer linearen Anhebung der Gehälter von rd. 2,5% - Verdi fordert für 2006 5% - ergibt sich ein Mehraufwand von 51 Mio., so dass lediglich 34 Mio. eingespart werden können, wenn sich die Bank von 1.000 Mitarbeitern trennen kann.

Bei einer jährlichen Anhebung der Tarifverträge um rd. 2 bis 2,5% müsste die Bank p.a. rd. 600 Mitarbeiter freistellen, um die jährliche lineare Anhebung aufzufangen; aber die Ausdünnung der Personaldecke kann nicht ad infinitum fortgesetzt werden.

Bei dem Sachaufwand ist die Analyse ebenso ernüchternd; trotz beachtlicher Einsparungen seit Jahr und Tag sind hier dem Sparwillen Grenzen gesetzt: An den Abschreibungen, den Wartungskosten und der Modernisierung der Frankfurter Türme mit der anspruchsvollen Betriebs- und Geschäftsausstattung führt kein Weg vorbei.

Ihr Appell, sehr geehrter Herr Dr Perlet, ist trotzdem wichtig, aber mehr von psychologischer Bedeutung.

zu b.)
Der Chef der Dresdner Bank sieht wohl am klarsten, dass durch Einsparungen à la Perlet kein grundsätzlicher, bahnbrechender Erfolg erreicht werden kann.
Er setzt deshalb folgerichtig auf Wachstum, d.h. Neubelebung und Ausdehnung der Kredit- und Geldgeschäfte mit auskömmlicher Marge. Im  letzten Jahr waren diese Geschäfte rückläufig, so dass sich der Verwaltungsaufwand trotz Einsparungen von 85,2 auf 88,9 % der Erträge erhöhte.
Von der Analyse her ist das Konzept des Herrn Walter das Ei des Kolumbus, das Problem ist nur, warum finden immer weniger Kunden den Weg zur Dresdner?
Das Image der Bank  ist in der Tiefe beschädigt durch Vorgänge Ende der 90-er Jahre sowie die Beinahe-Insolvenz in 20001/2002, die nur durch die Allianz verhindert werden konnte.

Nach meinen Erfahrungen gibt es ein Defizit an seriöser Geschäftsmoral – nachzulesen im Internet unter www.geldanlagen-luxemburg.de  Vorsicht Falle: Dresdner Bank – Beraterbank  oder Betrügerbank...
Es erhebt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob die Zeit nicht reif ist, um die Pferde zu wechseln und einem neuen Mann mit dem Potential eines Kommunikators die Chance zu geben, das Image der Bank aufzupolieren.

Kürzlich wurden auf  Veranlassung des Vorstands von einer Historikerkommission die Schandtaten der Dresdner Bank-Manager im 3. Reich publik gemacht.
Was soll dieses völlig überflüssige öffentliche „Harakiri“?
Imagepflege durch Vergangenheitsbewältigung?

Gegenwartsbewältigung durch Pflege der Seriosität wäre es, wenn Sie, sehr geehrter Herr Dr. Walter ,meinem französischen Freund Prof. Bligny und mir die Wertpapiere zurückgeben würden, deren angeblichen Verkauf Ihr Haus in Luxemburg nicht nachweisen kann und den Sie mit Hilfe der korrupten Justiz in Luxemburg auch nicht zu belegen brauchen.

Deshalb: Hic Rhodus, hic salta! Mister Walter.

zu c.) Gibt es einen 3. Weg zur Sanierung?
Es stellt sich die Frage: Haben sich die Großbanken mit ihren riesigen Filialnetzen nicht überlebt?
Die vier Großbanken unterhalten im Inland zur Zeit 3.472 Geschäftsstellen; diese flächen- deckende Präsenz in Konkurrenz mit den Sparkassen und den Volksbanken bedingt einen überzogenen Wettbewerb, der nur zu Lasten der Erträge gehen kann.

Warum müssen an Plätzen unter 30 Tausend Einwohnern die Großbanken gleich vierfach vertreten sein?

Die französischen Großbanken Société Géneral, BNP sowie Crédit Lyonnais haben dies längst erkannt und ihr Filialgeschäft in Deutschland an andere Banken übertragen – einschließlich des Personals.

Ist die Zeit nicht reif, um Abschied zu nehmen vom traditionellen Prestigedenken der Nachkriegsjahre, als es hieß: „Wir müssen an jedem größeren Platz vertreten sein“.

Das Sozialwissenschaftliche Institut Schad GmbH, Hamburg, hat kürzlich eine Analyse durchgeführt, um die „Beste Bank 2006“ herauszufinden.


Das Ergebnis:
Die filiallosen Banken haben die Nase vorn, die Dresdner Bank belegt in der Liste der Gesamtsieger von 36 Banken Platz 34.

Mein Beitrag soll Denkanstöße geben, sonst nichts.

Und ganz wichtig: Prestigedenken kann schädlich sein und hat schon viel Unglück gebracht – nicht nur in der Politik.

Für Ihre Aufmerksamkeit, sehr geehrte Damen und Herren, bedanke ich mich.

In den obligaten Erwiderungen blieb Herr Dr. H. Walter stumm.
An seiner Stelle wandte sich Michael Diekmann an das Auditorium; ansonsten sehr rede- gewandt, blieb er diesmal einsilbig: „Wir haben dazu auch nichts zu sagen“.


Im Klartext heißt das:
Ich kenne zwar zur Genüge Ihre substantiierten Vorwürfe des offensichtlichen Betrugs der Dresdner Bank, aber das „juckt“ mich genauso wenig wie Herrn Walter.

Welch eine Visitenkarte für den Repräsentanten eines Konzerns, der weltweit Vertrauen gewinnen muss, wenn er Geschäfte machen will.



 

Paul Leistenschneider
Dipl. Volkswirt und
Vereidigter Buchprüfer
Steuerberater a.D.
Am Gehlenberg 4
66125 Saarbrücken

 

 

 

 
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